Ein Film, der wirkt, als wäre er aus der Zeit gefallen, ein bizarres, fast atemloses künstlerisches Experiment, das einen sprachlos hinterlässt und nicht so schnell aus dem Kopf gehen wird: "Faust" von Alexander Sokurow, der in Venedig völlig zurecht den Goldenen Löwen gewonnen hat, kommt nun ins Kino. Angesiedelt ist der gesamte Film im 19. Jahrhundert, in einer kleinen dreckigen Stadt, in der Krankheit und Tod ebenso selbstverständlich sind wie Gewalt und Krieg. Sokurow drehte die freie Adaption des Goethe-Stoffs im ungewöhnlichen 4:3-Format mit abgerundeten Ecken, die Farbgebung ist erdig, die Optik vielfach verschoben, tatsächlich verrückt im besten Sinne des Wortes.